Tag 2 – 6: Es geht Bergauf

Tag 2

Wir haben unsere erste Nacht in der Wildnis überlebt! Wirklich erholsam war sie allerdings nicht, da die ganze Nacht ein Hund gebellt hat und ich mir Sorgen gemacht habe, ob er gleich vor unserem Zelt stehen wird. Das geflickte Loch im Zelt machte mir auch noch Sorgen: kraucht da vielleicht noch eine Schlange rein? Ich bin in der Nacht so unruhig deswegen gewesen, dass ich gleich noch etwas mehr Faden zum Flicken verwendet habe…
Piko hatte die Nacht (nach dem Ausbruchsversuch) etwas erholter verbracht als ich. Der Glückliche…
Nachdem wir gefrühstückt hatten und ich das Zelt wieder zusammen gepackt hatte, machten wir uns wieder zurück auf den Weg und weiter zum nächsten Ziel. Diesmal hatte ich einen Campingplatz in Aussicht, der etwa 20km entfernt lag.
Nur wenige Minuten nach unserem Start trafen wir Anita: eine Reiseleiterin aus den Niederlanden. Wir hatten eine sehr nette Unterhaltung und sie gab mir einen Tipp, wo ich die übernächste Nacht Campen könnte. Sie erzählte mir von einer kleinen privaten Kirche auf dem Weg, an welcher man im Garten das Zelt aufschlagen kann. Etwas später, nachdem wir unseren Weg fortsetzten, fanden wir dann einen perfekten Rastplatz, an welchem ich mein Zelt zum Trocknen ausbreiten konnte.

Der restliche Weg danach war ziemlich anstrengend, weshalb uns die Pause ganz gut getan hatte. Es ging 4km lang nur noch Bergauf, teilweise mit Steigungen bis zu 20%.

Piko bekam Schwierigkeiten, bergauf mit seinem Rucksack zu laufen, weshalb ich diesen dann wieder in mein Gepäck übernommen hatte.
Und dann hatte ich das erste Mal einen wirklich glücklichen Moment. Der höchste Punkt bei 1060 Höhenmeter und damit auch die steilste Etappe des ganzen Weges war geschafft! Ab jetzt geht es erstmal wieder bergab und die restlichen Kilometer werden leichter.

In Roncesvalles machten wir nochmal eine etwas längere Pause, bevor wir dann den restlichen Weg zu unserem Campingplatz für die heutige Nacht antraten. Es tat gut, den Weg nur für uns alleine zu haben und keine weiteren Pilger mehr zu treffen.

Irgendwann gegen 19-20 Uhr haben wir dann unser heutiges Ziel erreicht: den Campingplatz Urrobi. Hier haben wir auch Eddie aus Kalifornien wieder getroffen. Ich traf ihn während des Tages, als wir noch mit dem Aufstieg beschäftigt waren. Wir kreuzten gerade die Hauptstraße und er grüßte ziemlich abgekämpft von seinem Fahrrad aus zu uns rüber. Eine kurze Pause und Unterhaltung später, gab ich ihm den Tipp, dass kurz nach Roncesvalles ein Campingplatz ist. Er war nach dem ganzen bergauf radeln offensichtlich sehr froh, einen nahe gelegenen Übernachtungsplatz zu haben.

Und auch wir waren nach dem langen anstrengenden Tag froh, uns endlich in den Schlafsack kuscheln zu können. (Auf einem sicheren Zeltplatz. Die Nacht habe ich deutlich entspannter schlafen können als die vorherige).

Tag 3

An Tag 3 haben wir JE aus Südkorea getroffen und sind fast den kompletten Tag gemeinsam gewandert. Dadurch ging die Zeit sehr schnell vorüber und der Weg kam mir um einiges leichter vor.
Die kleine Abkühlung tat richtig gut bei Temperaturen knapp an die 30 Grad und Dauersonnenschein. Beabsichtigt war es allerdings nicht, dass ich in dem Moment auf meinem Hintern lande. Den tollpatschigen Annika-Moment hat zufälligerweise gerade ein anderer Pilger mit seinem Telefon festgehalten und alle hatten mal etwas Unterhaltung auf meine Kosten. 🙈

In Zubiri trennten sich dann erstmal die Wege von JE und mir, denn mein Tagesziel war die private Kirche, von der mir Anita am Tag vorher berichtete .

Diese habe ich nach ein wenig Rumfragen inklusive unfreundlich zugeschlagener Türen dann auch in der Nähe von Illaratz finden können. Schon die aufgestellten Schilder am Eingang luden zum Bleiben ein. Und als ich dann Neill, den Eigentümer der kleinen Kirche „The Abbey“ kennen lernte, war ich völlig verzaubert. Ein Mann der dieses wunderschöne Projekt hier ganz alleine bewältigt und nur hin und wieder etwas Hilfe von Pilgern bekommt. Als er mir seine Geschichte erzählte, bekam ich eine Gänsehaut. Neill bekam vor 3 Jahren die Diagnose Krebs, mit der Aussicht auf etwa 3 Jahre restlicher Lebenszeit. Kurz nach dieser Diagnose verließen ihn Frau + Kind und zogen nach Nordengland. 2 Jahre lang, konnte er seine nun mittlerweile 6 jährige Tochter nicht mehr sehen (u.a. aufgrund der Coronaeinschränkungen). Seit einem Jahr hat er die Chance das nachzuholen und fährt, so oft es zeitlich und finanziell möglich ist, zu seiner Tochter, auch wenn das jedes Mal bedeutet, mehrere Tausend Kilometer zu überwinden.

Ich fand seine Geschichte so bewegend, dass ich hier dazu aufrufen möchte, vielleicht mal einen Blick auf seine Facebookseite zu werfen und wer gerne etwas Gutes tun möchte, ihn mit etwas Spenden zu unterstützen. Oder ihn direkt bei seiner Kirche Nähe Illaratz zu besuchen und mit etwas körperlicher Arbeit zu helfen.

Tag 4-6

Für uns war es dort, einer der schönsten Campingplätze, was auch an Neills Gesellschaft lag. Die Nacht war sehr erholsam und am nächsten Morgen haben wir noch gemeinsam mit Neill gefrühstückt.

Zwischen 8-10 Uhr hat er dann die Türen seiner Kirche geöffnet und vielen vorbeikommenden Pilgern die Geschichte des Baus erklärt.

Als ich dann endlich bereit für die Abreise war, schaute ich mir ebenfalls das Innere der Kirche an und konnte mir sehr gut vorstellen, was Neill daran so verzaubert. Auch wenn es noch ein langer Weg und mit sehr viel Arbeit verbunden ist, konnte ich erkennen, welche ursprüngliche Schönheit und Liebe in diesem Projekt liegt.

Während ich noch in die Unterhaltung mit Neill vertieft war, kam eine andere Pilgerin mit Hund vorbei: Angelique aus Frankreich und ihre Hündin Aya. Wir hatten uns einen Tag vorher mal kurz getroffen, als wir Rast machten. Heute sind wir den Weg bis nach Pamplona gemeinsam weiter gewandert.

In Pamplona angekommen, trennten sich dann die Wege von Angelique und mir. Auch dies war wieder ein sehr leichter Weg mit sehr netter Begleitung, und ich merkte gar nicht, wie schnell wir voran gekommen sind.

(Die ersten 2-3 Kilometer sind irgendwie verloren gegangen…)

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