Tag 1 – Von St. Jean Pied de Port nach ?Wildnis?

Ausrüstung steht also. Am nächsten Morgen habe ich nochmal kontrolliert, ob ich auch alles in meinem Rucksack verstaut habe und die Dinge für Notfälle auch schnell griffbereit sind (z.B. ein kleines Tütchen mit Utensilien für Toilettengänge…)

Während des Frühstücks habe ich dann auch erstmal die Herberge in Orrison angerufen, welche mir vom Pilgerbüro empfohlen wurde, um in Erfahrung zu bringen, ob ich dort zelten kann. Leider hatten die aber nicht so gute Nachrichten für mich: der sogenannte „Sommerweg“ ist nachts zu kalt zum zelten. Mir wurde empfohlen den Winterweg zu wählen, der niedriger liegt und hauptsächlich an der Hauptstraße entlang führt.

Mist, das war jetzt nicht wirklich Bestandteil meiner Planung. Das heißt ich muss mir auch eine andere Option zum Zelten suchen. Anstatt aber mal kurz etwas in Ruhe nachzudenken, bin ich völlig schlecht gelaunt und genervt von dieser unerwarteten Planänderung in den ersten Tag gestartet… Keine gute Idee, wie sich später herausstellen sollte.

Erstmal musste ich noch ein Päckchen mit überflüssiger Ausrüstung zur Post bringen, welches wieder zurück nach Deutschland sollte: wieder 4-5kg eingespart, schätze ich.

Dann Komoot aktiviert, um erst einmal etwas Orientierung für den Weg zu bekommen. Kurz vor Verlassen von Saint Jean Pied de Port haben wir dann auch den Hund vom ersten Tag hier wieder getroffen. Ein kurzes beschnuppern und plötzlich ist mir das Herz stehen geblieben, weil der größere Hund auf einmal über Piko hing, ihn aggressiv zu Boden gedrückt hat und angefangen hat zu beißen. Wie ein Spiel sah das ganze nicht aus und ich habe mir innerlich schon ausgemalt, dass ich gleich meinen blutüberströmten Hund zum Tierarzt bringen muss.

Glücklicherweise war es dann doch nicht so schlimm. Ein Cafémitarbeiter hat schnell reagiert und den fremden Hund weggezogen. Ich habe das Gefühl gehabt, dass das ganze ewig gedauert hat, waren aber wohl doch nur ein paar Sekunden. Nachdem ich keinerlei Wunden oder andere Verletzungen bei Piko finden konnte, sind wir regelrecht geflüchtet und haben uns auf unseren ersten Weg gemacht.

Weitere Hunde die uns auf dem Weg begegnet sind, habe ich ab sofort mit meinen Trekkingstöcken erfolgreich in die Flucht geschlagen.

Das waren dann noch ein paar landschaftliche Eindrücke der ersten Kilometer:

Auch wenn im Nachhinein betrachtet, die Gegend wirklich schön war, habe ich mich an dem Tag überhaupt nicht gut gefühlt. Erst die schlechten Nachrichten von der Herberge, dann das Zusammentreffen mit dem fremden Hund und dann wollte Piko einfach nicht in meinem Tempo laufen, was auch bedeutet, dass es unmöglich war, die 25km bis Ronscesvalles zu schaffen (der nächst größere Ort, an dem die Wahrscheinlichkeit höher ist, einen Schlafplatz zu finden), bevor es dunkel wird. Also brauchten wir vorher eine gute Möglichkeit zum Übernachten. Oder wird das womöglich die erste Wildcampingnacht? Der Gedanke hat mich so sehr abgeschreckt, dass ich fast den kompletten Tag mit meinen Tränen kämpfen musste. Meistens haben die Tränen gewonnen. Ich glaube das war das erste mal in meinem Leben, dass ich mich in einer Situation so hilflos und überfordert gefühlt habe.

Meine Gedanken kreisten den ganzen Tag nur um das Negative. Und ich habe in meiner Verzweiflung immer wieder meinen Freund angerufen, um mich aufbauen zu lassen. Ich weiß nicht, was ich ohne ihn gemacht hätte… Vielleicht schon am ersten Tag aufgegeben.

Als wir Valcarlos erreicht hatten, habe ich ein wenig herum gefragt, wo man hier mit Hund übernachten/ Campen konnte. Leider hat niemand wirklich englisch sprechen können und meine Französisch- & Spanisch-Kenntnisse haben auch nicht ausgereicht, um klar machen zu können was ich wollte. Dann traf ich in einem kleinen Supermarkt 3 junge Leute, die mir dann doch ein wenig auf englisch weiter helfen konnten. Ein paar Anrufe später, hatte ich aber immer noch keinen Schlafplatz für heute Abend. Da ich so verzweifelt war, boten die 3 mir an, mich mit ihrem Van ein wenig aus der Ortschaft rauszufahren, etwas tiefer in die Natur, wo ich vielleicht eine Möglichkeit zum Campen finden könnte. Gesagt, getan. Die Stelle an der sie mich rausließen, sah schon ganz okay aus.

Ein großes Dankeschön an die 3 (vor allem Jess, die mir durch ihr Dolmetschen und die Unterstützung eine sehr große Hilfe war).

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, erkundete ich etwas die Stelle, ob sie für die Übernachtung geeignet ist. Ein wenig entfernt fand ich dann noch eine Weide, die leer war und etwas besser geeignet, um mein Zelt aufzustellen. Aber was ist, wenn hier abends die Schafe hergetrieben werden? Kaum hatte ich diesen Gedanken im Kopf, hörte ich auch schon eine Herde heran laufen. Schnell haben Piko und ich die Flucht ergriffen, bevor wir Ärger bekommen. Die Hirten sind sicher nicht erfreut, wenn Pilger ohne vorher zu fragen, auf deren Weiden herumlungern.

Leider stellte sich dann aber heraus, dass die Herde nicht auf diese Weide wollte, von der wir gerade flüchteten, sondern uns den ganzen Weg bis zur Hauptstraße folgte. Ein Hirte kam schnell zu mir rüber gerannt und bat darum, kurz mit dem Hund zu warten, damit die Herde vorbei kann. Ich entschuldigte mich bei ihm und wartete bis sie vorbei gezogen waren.

Und wir haben immer noch keinen Schlafplatz. Unsere Kräfte waren so ziemlich am Ende und in 2h geht die Sonne unter. Schon wieder kullerten die Tränen…

Nochmal ein aufbauendes Telefonat mit Daniel später, habe ich dann endlich mal meine Ängste und Unsicherheiten herunter geschluckt und Google Maps angeworfen, um zu schauen ob vielleicht doch etwas passendes in der Nähe ist. Ein Stück weiter war ein Parkplatz. Vielleicht lässt sich dort ja in der Nähe etwas finden.

Auf dem Parkplatz angekommen, konnte ich erstmal Piko hinter einem Sichtschutz aus Holzstämmen zurück lassen und etwas umher laufen. Dann endlich, kurz bevor die Sonne unterging, habe ich einen verlassenen alten Wanderweg gefunden, der jetzt einfach die letzte Option für heute Abend sein musste.

Als ich dann versucht habe, die Heringe in den Boden zu bekommen, stellte sich der Platz dann aber doch als nicht so günstig heraus. Alles felsig, hier bekomme ich meine Heringe nicht einen Millimeter rein… Was nun?

Egal. Es wird gleich dunkel. Hier bleibt jetzt das Zelt. Dann muss ich es eben irgendwie an den Bäumen abspannen! (Schade das ich kein frei stehendes Zelt habe…)

Piko fand die Nacht im Zelt nicht so cool. Wahrscheinlich war er genauso ängstlich wie ich, oder meine Angst hat sich auf ihn übertragen. Auf jeden Fall hat er versucht, sich aus dem Zelt heraus zu buddeln…
… Was dazu führte, dass ich auch noch direkt am ersten Abend, mein Zelt flicken musste.

Mein Fazit des ersten Tages: sch*** Camino, sch*** Franzosen und sch*** Spanier, sch**** dass hier niemand Hunde leiden kann und sch**** dass ich hier draußen in der Wildnis Campen muss.

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